Buddhaland war Hinduland

Wir nehmen uns für einen Tag einen Driver und fahren Richtung Dambulla, dem Mittelpunkt des kulturellen Dreiecks SriLankas.
Wir sind im Land des Buddhismus und die Meter hohen Buddhastatuen in der Landschaft und bei Tempeln wie hier dem Golden Cave Tempel zeigen die Ehrerbittung die Buddha entgegen gebracht wird.

Affen springen in den Bäumen und auf den Altären herum, der süsse Duft der Opfergaben Blumen und Räucherwerk liegt in der Luft. Gläubige umrunden den Bhoditree und die Stupa und beten andächtig zu Buddha.

Der Aluvihara Rock Temple, ein buddhistischer alter Tempel zum Teil in eine Felsenhöhle gebaut. Wie immer betrete ich mit erfurcht solche alten Höhlentempel die Zeuge sind von einer Welt weit weg vom Hier und Jetzt. Dort treffe ich auf alte Wandgemälde der Buddhistischen Hölle und einige Skulpturen die zeigen was passiert wenn du dich nicht wie ein guter Buddhist verhältst. Dieses Thema begleitet mich schon seit Jahren, da ich nicht müde werde diese Seite dem europäisch sozialisierten Buddhisten aufzuzeigen.

Grossteil der Singhalesen sind Buddhisten, also eine Form des Buddhismus wie man ihn bei uns wohl nicht gerne sieht. Ich denke aber wenn Buddhismus vom Volk so gelebt wird, dann müssen die Lehrer was falsch gemacht haben oder aber auch wir verstehen da was falsch. Zumindest bei den Dalai Lama Anhängern in unserer westlichen Gesellschaft ist Buddhismus etwas was mit Achtsamkeit, Respekt und innerer Einkehr zu tun hat. Dies widerspricht meinen Erfahrungen in Asien wo Menschen auch sehr aggressiv und rüpelhaft miteinander umgehen.

In Buddhistischen Andachtsstätten  die ich besuche ist alles etwas spärlich gehalten mit ausschliesslich Buddhstatuen. Wenn dann gibt es Hinweise dafür wie du zu sein hast und was passiert wenn du es nicht tust bzw. Bilder von Buddhas Lehren an den Wänden.
Diese Himmel/Hölle Geschichte und dazu die Monopolstellung eines Mannes als Oberhaupt hat mich ja schon als Kind entsetzt. Deswegen bin ich dann bereits in der Volksschule aus dem Evangelischen Religionsunterricht ausgetreten.
Die Phantasien im Buddhismus was dir wiederfährt wenn du dich in diesem Leben nicht entsprechend verhältst erinnern mich stark an den Hexenhammer.
Da sind Bilder von Frauen denen zwischen den Beinen ein Beil in die Vagina getrieben wird oder Penise die abgehackt werden. Dämonen die dich züchtigen und sehr beliebt der Kochtopf in dem die Menschen dann vor sich hinschmoren. Du darfst nicht Gleichgeschlechtlich lieben, du musst fleissig arbeiten, du sollst vor allem Meditieren und dich den Lehren Buddhas widmen, du darfst keinen Alkohol oder Drogen konsumieren usw. Diese Abbildungen werden gerne Kindern gezeigt und dienen als Vorbild moralischer Wertvorstellungen.

Wenn der Buddhismus tatsächlich so Achtsam und Respektvoll ist wie kommt es zu solchen Vorstellungen? Wie kann es sein, dass zumindest bei uns der Buddhismus anders rezipiert wird und in den Ländern wo Buddhismus die vorherrschende Religion ist aber ein ähnlich grausames dualistisches Weltbild gelebt wird wie im Christentum? Wer liegt da jetzt falsch? Für mich zählt ja immer eher das was gelebt wird, da genau da draussen ist die Realität auf der dreckigen stinkenden Strasse anstatt weise Worte eines Gurus irgendwo abseits der Realität.

 

Hier in Buddhaland SriLanka gibt es viele Tamilen die Hinduisten sind. Und so tobte hier ein Religionskrieg wobei die fanatischen Buddhisten gewaltsam gegen Hindus vorgegangen sind. Und auch Amal aus unserem Guesthouse betont, dass er Buddhist ist und es hier noch viel zu viele Hindus gibt.

Dazu muss man wissen, dass natürlich der Hinduismus die ursprüngliche Religion hier war aber mittlerweile die Erhaltung und Verbreitung des Buddhismus mit all seinen Strömungen durch die Verfassung geschützt ist.

Nalanda Gedinge zB. ist eine verfallene Ruinenstadt die zeigt wie früh hier schon Hinduismus mit Buddhismus verknüpft war. So sieht man in den alten Tempelanlagen die buddhistische Stupa mit dem Bhoditree neben dem Hindu-Tempel. Und auch heute beten die Leute gleichermassen zu Buddha und ihrer hinduistischen Göttervielfalt. Ein synkretistischer Prozess um es zu erlauben Buddha als auch andere Götter zu ehren. Unvorstellbar für den westlichen DalaiLama Buddhisten der nur in Buddha die Kraft selbst sieht die zu Erleuchtung führt. Aber vielleicht habe ja auch ich nur alles falsch verstanden?

Mir gefällt, dass in SriLanka noch zahlreiche alte Hindutempel erhalten sind die davon zeugen, dass dies ursprünglich die spirituellen Wurzeln waren. Der Sri Muthumariamman Kovil Tempel ist ein Beispiel dafür wie farbenfroh und vielfältig die Hindu-Götterwelt ist. Es sind Götter der Zerstörung und der Fruchtbarkeit, Göttinnen des Feuers und der Musik und das Götterpantheon scheint Unendlich individuell, so wie wir Menschen.

Und in der Faszination gegenüber dieser skurillen bunten Gottheiten, weiss ich – mit mir und dem Buddhismus, das wird nichts mehr.
Auch im Alltag kenne ich es ja schon aus einigen buddhistisch geprägten Ländern und sehe es auch hier wieder. Da rennen diese Mönche herum und es wird ihnen Platz gemacht als wären sie etwas ganz besonderes. Sogar eine Frau mit Kind muss im Bus aufstehen wenn ein Orangegewandeter sich setzen will. Mehr noch die ganze Busreihe wird dann frei gemacht für ihn.

Hinduistische Priester reisen weniger, da sie vielleicht nicht gratis im Bus fahren dürfen. Oder nicht mit Glatze in Orange herum laufen und deswegen nicht so auffallen? Ausserdem leben sie im Tempel oder Heiligtum (Höhle, Baum, Strassenecke) zusammen mit dem Fussvolk bzw. ihrer Familie je nach Gott dem sie sie sich zugehörig fühlen.
Hier muss man nicht gelehrt sein, die Praktiken sind pragmatischer und auch für einfache Menschen gedacht und nachvollziehbar.
Auch für mich ist es verständlicher eine Kokosnuss vor dem Tempel zu zerschmettern um ein Fruchtbarkeitsopfer zu bringen anstatt ständig in mich selbst versunken buddhistische Texte zu beten.

Und so vielfältig wie wir Menschen sind, so vielfältig ist die hinduistische Götterwelt und auch ihre Gurus.
Im Hinduismus sind wir Menschen ein Abbild der Götter und sie in uns. Bunt, extatisch, manchmal laut und zerstörerisch, seltsam und wirr, manchmal liebevoll und alles dazwischen.

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