Die Farben des Meeres sind so kitschig, dass man sie eher in einem gemalten alten Bild vermuten würde als hier vor meinen Augen. Der Wind lässt die Gischt in die Höhe spritzen und im glasklaren Wasser spiegelt sich das funkeln der Sonnenstrahlen. Ich bin wiedermal in der Karibik Europas gelandet.
Die Einfachheit und Autarkie des wilden Campens lässt einen „einfach sein“. Dazu sei gesagt, dass so gut wie nie etwas „einfach Einfach“ ist. Die Aufgabe sich ein Frühstück zu zubereiten darf seine Zeit dauernd, seine eigene Zeit. Ein Tag darf eine Lesetag sein. Ein einfacher Roman ohne das es eine Fachzeitschrift sein muss. Das Lesen wird unterbrochen von einem Nickerchen um sich danach der nächste Seite zu widmen oder den Leseplatz zu verändern. In die Hängematte unter der riesigen knorrigen Zeder. Ohne schlechtem Gewissen eigentlich etwas „zu tun“ zu haben oder zu „müssen“.
Hinaus schauen aufs Meer hinüber zu den kleinen Inseln. Die Musik der Wellen und des Windes die meine Gedanken von Bild zu Bild meiner Erinnerungen treiben lässt. Seit damals als ich 3-4 Jahre alt war, war ich nicht mehr hier. Wir dachten es hiess Tiesno – aber es heisst wohl Tisno. Hier gab es vor 45 Jahren eine Zeit wo meine Eltern ihre Zeit hatten. In einer der Buchten sorgenbefreit lachend mit Freunden im Urlaub. Das bunte Kleid meiner Mutter und mein Vater im gelben Semperitboot mit Außenmotor. Ich erinnere mich an den Esel Mageratz und eine unbeschwerte Zeit. Doch zweifle ich daran ob es tatsächlich meine Erinnerungen sind oder nur das Abbild der Geschichten der Erinnerungen. Zumindest sind es unsere Familien-Erinnerungen.
Es ist Sommersonnwende 2020 und die Tage wieder kürzer. Auch meine Tage. So vieles ist im letzten Jahr passiert.
Verletzungen und Schicksalsschläge. Ich wurde aus einem Projekt hinausgeworfen und durfte feststellen wie wenig Courage Menschen haben. Wie ausgespuckt und weggeschmissen nach mehr als 10 Jahren an Mitarbeit. Ich durfte spüren wie schmerzvoll es ist nicht mehr auf Festivals dabei zu sein und mitzumischen. Menschen zu verlieren wo man jetzt weiß, dass man ihnen wohl nie nah war. Die dunklen Gedanken sind wieder präsent geworden und ich habe mich zurückgezogen.
Der Unfall meines Partners der alles veränderte an Plänen. Menschen sind verstorben und manche viel zu früh. Der Tod wurde sehr präsent im letzten Jahr.
Covid-19 hätte passender Covid 2020 heissen sollen, es hat etwas getan mit den meisten von uns auf die eine oder andere Art. Ich bin kein Panikmensch und es entstand im Lockdown eine kleine Gemeinschaft an Turmbesuchern die ich nicht missen möchte. Wenige die mich in all den Zuständen akzeptieren, in denen ich nun mal manchmal bin. Denn manchmal halte ich Menschen kaum aus. Manchmal langweilt mich alles. Manchmal bin ich Verletzlich. Manchmal ist die Welt meine Bühne. Und besonders im Rausch öffnen sich Türen wo ich die Menschen lese. Ich channel dann Klarheit – in diesem Moment. Undiplomatisch herausfordernd und bedingungslos ehrlich. Magische Weissagungen die Kraft kosten und die Tage benötigen um zu Verdauen.
Es ist nicht leicht von Menschen und Lebensinhalten Abschied zu nehmen. Die Sonne hat sich wiedermal gewendet. Hier ist es nicht schwer Kräuterbündel zu sammeln, hier wachsen die Kräuter in riesigen Büschen am Strassenrand.
Der Aromatische Duft verzaubert die Sinne.
Ich bereue nichts im Leben – außer dem was ich nicht getan habe (Coco Chanel)
