Rauhnächte

Rauhnächte 25.12. – 6.1. 

Noch vor einigen Jahren war es „normal“ eher drastische Märchen und Geschichten zu erzählen. Dies war Teil der Erziehung und Teil traditioneller Bräuche die den Alltag und die Gemeinschaftsstrukturen regelten. Der Ursprung liegt in alten Riten und dem Glauben an „personifizierte“ Kräfte. Sind es in Asien Dämonen, im Voodoo dunkle Loas, bei manchen Indianerstämmen der Jaguar vor dem man sich in acht nehmen muss so gibt es auch bei uns wie jetzt im Winter zb. die Schön- und Schiachpercht oder die Wilde Jagd. All dies zeigt uns, dass schon immer verschiedene Kräfte in und um uns herum wirkten und es noch tun.

Zwischen Samhain und Yule ist die Zeit wo die Türen der Anderswelt weit offen stehen und wir mit unseren Ahnen in Verbindung treten. Die Natur zieht sich zurück und wir reisen mit ihr und Gedenken den Verstorbenen. Zu Yule, der Wintersonnwende wird der Sonnengott wiedergeborene, die Tage werden länger. Dennoch sind wir im Prozess des Winters, wir ziehen uns zurück.

Nachdem früher das Leben rauher war und es kaum Zeit für Familie und Freizeit gab war es auch notwendig hier für die Menschen eine Pause einzulegen. Dabei helfen die mystischen Gestalten die uns Furcht einflößen sollen, damit wir auch wirklich einen Grund haben „nichts zu tun“ und nicht raus zu gehen. (Vielleicht heisst diese Gestalt jetzt Corona?)

Ein Brauchtum das sich gehalten ist der Aberglaube, dass man in den Rauhnächten keine Wäsche hängen lassen soll damit das Geisterheer sich darin nicht verfängt. Dadurch war symbolisch verankert, dass man vor Weihnachten alles erledigt hatte und man bis zum Ende der Rauhnächte mit der Familie sein konnte um gemeinsam die freie Zeit zu geniessen. 

Hier tauchen auch die Perchten auf die wie Yin/Yang, Shiva/Shakti Urkräfte Symbolisieren könnten. Sie bestrafen und beglücken, sie „regeln“ die Tage der Rauhnächte, schauen ob das Haus Sauber ist und deuten darauf hin, dass man die Naturkräfte nicht ignorieren sollte. Hier ist ebenfalls eine ganz sinnvolle Begebenheit, dass das Hau zunächst Sauber sein sollte bevor es gebührend ausgeräuchert wird. Altes wird gesäubert und dann wird ausgeräuchert um Platz zu machen für Neues Glück. Es ist quasi ein jährliches erstes Reinigungsritual vor den Rauhnächten und spiegelt sich einige Zeit später zum Frühlingsputz wieder wenn die Natur wieder erwacht.

Heutzutage sind viele von uns faul und können bereits geniessen „mal nichts zu tun“. Früher war dies ein Ding der Unmöglichkeit – es musste immer gearbeitet werden. Dennoch empfinde ich es nach wie vor als passend die Kräfte der Jahreszeit zu Achten. Es erscheint stimmig für mich, für viele von uns die in einer sehr schnellen Zeit viel Arbeiten und viel Verantwortung tragen, kaum zur Ruhe kommen und deren „ToDo“ Listen kein Ende nimmt. Draussen stürmt es und schneit es ist nach wie vor dunkel. Die Rauhnächte kann man nutzen um sich zu besinnen, auf unsere innere Ruhe, ein zu sich kommen, ein runter fahren. Und manchmal ist es schwer „nichts zu tun“, keine Vorgaben für den Tag zu haben, die Liste der Erledigungen zu streichen und „rumzugammeln“. Kein Müssen, Sollen und Schuldgefühle wenn man tagelang im Pyjama rumläuft und sich vorrangig im Bett oder auf der Couch aufhält.

Jetzt in der Zeit der Rauhnächte gehen wir in die Stille. Lassen das Jahr und den Winter vorbeiziehen und nehmen wahr wer Familie und Freunde sind. Gerade mit dem Lockdown spürt man, wer einem Nahe ist und auf wen wir besonders achten wollen oder wer Hilfe benötigt.

Wenn draussen im Wintersturm die Wolkenformationen wie Wotan mit seinem wilden Heer vorbeizieht ist es fein in der Stube zu sitzen und – nichts zu tun. Draussen ist es ja viel zu stürmisch!

Die Wilde Jagd ist Teil unserer spirituellen und kulturellen Wurzeln und ist in ganz Europa vom hohen Norden bis zu uns und nach Italien Teil  der Rauhnächte. Der Zug der Geister ist uns wohl gesonnen und zeigt uns, dass auch wenn Dinge manchmal furchteinflössend erscheinen nicht so sein müssen. 

Die Rauhnächte gelten als Schicksalstage die uns Zeichen für das nächste Jahr mitgeben. Beginnend mit 25.12. sind es 6 Nächte im kalendarischen alten Jahr und 6 Nächte im neuen Jahr. Die Träume dieser Nächte stehen jeweils für ein Monat im neuen Jahr und helfen uns die Qualität des neuen Jahres für uns zu deuten. Dementsprechend gibt es auch genügend Silvesterbräuche die sich in die heutige Zeit überliefert haben und zumeist mit Orakel zu tun haben und/oder uns Glück bringen sollen.

Auf geht’s – räuchert euer sauberes zu Hause, lasst Altes gehen und Neues herein. Das Jahr war mühsam genug für Viele und es scheint als würde sich dadurch sehr viel verändern. In diesem Sinne rutscht gut ins Neue Jahr und nützt die Zeit. Seid Achtsam mit euch und euren Begegnungen, stärkt euch, lasst los und schafft Platz !

Blessed Be

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/steiermark/Hinterbergertal/Rauhnachtsagen_Wilde_Jagd.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Perchta

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd

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