31.1.2021 ein Opfer

Die Reinheit des frisch gefallenen weißen Schnees bedeckt das Opfer des Vortages.  Ein kleiner Tod ist wie ein großer Tod und wenn das Eine geht, hat Anderes Platz.

Wir sind zu Imbolg in die Stille aufgebrochen. Die sanften Wellen des Attersee lassen meine Gedanken von einem zum anderen schaukeln. Die Schneeflocken tanzen im sanften Wind. 

Da lag auf der Strasse, als wir von einem Ausflug kamen, ein toter Fasan auf der Strasse. Wir wollten ihn dort nicht liegen lassen bis er von Autos zerfetzt nur noch in einzelnen Teilen, überfahren und elendig am Strassenrand liegt. 

Als ich ihn aufhob war er noch ganz warm. Ein wunderschönes prächtiges Tier. Sogar im Tod voller Anmut und Stolz. Er war anscheinend nur angefahren worden und zeigte äußerlich keine Schäden. Ich nahm ihn mit, als Imbolg-Opfer dessen Tod nicht umsonst sein sollte. (Natürlich müsste man ein totes Tier zur Tierverwertungsstelle bringen…I know!)

In Demut seines farbenprächtigen Antlitz Schnitt ich seinen Kopf ab, dann die Beine und Flügel. Ich zog ihm sein Federkleid ab um es zu erhalten. Als ich ihn ausnahm hielt ich die noch warmen Gedärme und sein Herz in der Hand.

Gebraten war er sehr zäh, aber auch sein Fleisch sollte nicht achtlos gestorben sein. Ich hoffe er hatte ein schönes freies Leben. Ja ich esse Fleisch.

Statt diesen Fasan in den Müll zu kippen wurde er zu einem Geschenk. Seine Schwingen werden uns noch begleiten wenn wir räuchern und seine Federn werden uns bei Ritualen schmücken. 

Demut bringt uns unserer Endlichkeit näher, erdet uns und bringt uns ins Jetzt. Es zeigt wie klein wir sind im großen Ganzen und dennoch, dass wir Teil sind ! Demut bringt uns Empathie, öffnet unsere Herzen, lässt auch die ganz leisen Stimmen in uns laut werden und uns jede einzelne Schneeflocke als tanzendes Universum wahrnehmen, mit einem Lächeln im Gesicht. 

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