Ich fahre von Agonda bis Mapusa 1700 Rps., dann weiter nach Arambol 500 Rps. Quer durch Goa um “ zu Hause“ anzukommen. Ich biege an den Klippen im Norden ums Eck und schon kommt jemand auf mich zu dessen Gesicht irgendwie bekannt zu sein scheint, oder auch nicht, man wird ja dauernd angesprochen als wäre man eng befreundet. Tatsächlich ist es der Vermieter von der Hütte wo ich direkt am Meer letztes Jahr gewohnt habe. Voller Stolz zeigt er mir seine neuen Hütten. Er hat 7 neue Holzhütten bauen lassen und zeigt sie mir gleich. Heute Abend wird eine frei und er gibt sie mir günstig weil er sich erinnern kann an mich- stimmt das oder Zufall?

Wie auch immer die Hütte ist traumhaft, allein das Meer und die Felsenbucht vor mir. Ich nehme sie für 850 Rps die Nacht. Mein Gepäck lasse ich bei ihm, er lässt mich in einem anderen Zimmer frisch machen und ich werfe mich in die Traveller Szene Arambols bis mein Neues zu Hause frei ist.
Hier in Arambol ist es wie immer, Hochsaison, viele Travellers, chilliger Sound an den Strandbars. Nach wie vor viele Russen aber deutlich weniger und ausnehmend viele Freaks – also Leute die sich gerne verrückt kleiden, cool sind oder sein wollen und vor allem keine Hippies sind.
Aber auch hier hat sich etwas getan, es wurde heftig ausgebaut. In die Cliffs hinauf wurden neue Häuser gebaut und alte renoviert. Einige Häuser neu angemalt und einige aufgestockt. In der Shopping Street sind gezählte 4 Tätowierer mehr und neue schöne Shops.
Die Preise in den Restaurants sind etwas höher aber immer noch akzeptabel.
Nachdem ich den Carneval am Strand beobachte ist es früher Abend meine Hütte ist frei und begrüßt mich kitschig mit Delfinen und einem Sonnenuntergang. Vom Bett aus sehe ich aufs Meer und die Wellengischt klettert die Felsen empor, was erwartet man mehr?
Nachdem ich mich eingerichtet habe spaziere ich zu Cookie Walla, hier ist alles noch beim Alten – wunderbar. Hello Hello und als Begrüßung eine Umarmung. Auf abgegriffenen Pölstern sitze ich bei schummrigen Licht an den kleinen bemalten Tischen und genieße meinen Chai. Über mir ein Baldachin aus vielen bunten Tüchern, ein Ventilator der klack klack monotone Geräusche von sich gibt, sanfter Sound und ich lande langsam in Arambol.
Hinter der Küche ist Prashant er hat sein Tattoo Studio heuer ausgebaut und begutachtet sein Werk von letztem Jahr. Auch er ist noch da, fein. Doch heute ist keine Zeit, die Leute machen sich fertig um nach Anjuna zu fahren und Party zu machen. Ich bleibe hier.
Am morgen gehe ich nach vor ins Oasis für einen Kaffe da fragt mich eine Händlerin im vorbei gehen „how are you“ ich denke zuerst das übliche – Kunden ansprechen – Business machen usw. Dann sagt sie „where is your boyfriend“ . Es stellt sich heraus sie erinnert sich tatsächlich an mich. Sie sagt sie weiß noch ich habe ein Kalishirt bei ihr gekauft und mein Freund 2x FlipFlops weil die ersten kaputt gegangen sind. Sie entschuldigt sich dafür meinen Namen nicht mehr zu wissen und woher ich komme, aber sie weiß- nicht aus Russland. Wauw, ich bin echt überrascht und freue mich. Sie heißt Laxmi und ich setze mich zu ihr und plaudere ein bisschen. Sie sagt sie weiß noch, dass mein Freund sehr ruhig war und freundlich und immer ich hart verhandelt habe. Wieder ein Stück mehr “ hier bin ich richtig“ in mir, ein Lächeln auf meinem Gesicht, obwohl ich gerade meine Einsamkeit spüre.
Laxmi erzählt mir, dass sie aus Karnataka kommt und jetzt ein Baby mehr hat. Sie ist für 6 Monate hier um zu arbeiten. Aber heuer geht es auch ihr schlecht. Die reichen Russen sind weg und das Business ist ganz schlecht. Sie erklärt mir sie will nicht unverschämt zu den Touristen sein wenn sie erhöhte Preise sagt, aber ich muss verstehen, dass sie es probieren muss. Manchmal ist den Leuten das Geld egal und für sie sind 200Rps. sehr viel. Sie macht das nicht um Touristen auszunehmen, sondern um ihre Familie durchzubringen. So hat sie es gelernt und so ist ihr Leben. Ich verspreche ihr bei ihr einzukaufen und sie hat recht ob ich 3.- oder 5.-€ zahle bedeutet für mich kaum einen Unterschied und für sie einen Tag mehr genug Essen zu haben.Und natürlich kaufe ich einige Dinge zu einem Preis den ich sonst hier nicht zahlen würde.
Ich besuche einen alten Bekannten im Rocky Art Place. Er überlebt hier seit Jahren als Künstler. Ich kenne ihn seit ca. 25 Jahren, als wir noch Hippies im Burggarten waren. Ich war damals 16!
Abends ist hier in Arambol viel los, aber den Göttern sei Dank nicht wie in Anjuna oder Vagator. Heute habe ich mir „French Connection Cabaret“ angesehen mit Jongleuren, Artistik, Feuershow, Sex-Cabaret und gestern ein wundervolles Konzert im „Once at Nature“ wo Psychill live gespielt wurde während Leute am Feuer saßen, sich gegenseitig Reiki gaben, massierten oder einfach nur den Moment genossen haben – so wie ich!
In Arambol gibt es einerseits die Hippie-New Age Szene und andererseits die Künstler. Es gibt hier permanent Treffen und daraus entstehen tolle Performances, wunderbar die Freiheit der Leute ihre Kunst zum Ausdruck zu bringen!
Ich lebe hier im Moment, nur mit mir auf meinen Rhytmus achtend. Ich darf faul sein, nichts tun, aufs Meer schauen, schwimmen, lesen, spazieren….es ist schwer die Einfachheit des Nichts Tun richtig genießen zu können. ( Zu Hause hat man das Gefühl man muss immer etwas zu tun haben.)







