Nachdem meine Kollegin aus der benachbarten WG mir seit 3 Tagen täglich eine Standpauke hält und mich zum Arzt schickt, habe ich heute das Team verkürzt und mich ins Auto gesetzt um zu meiner Ärztin zu fahren. (Ich wollte erst Freitag gehen da ich bis dahin ja immer im Dienst bin.) Im Auto will ich meinen Chef anrufen um ihm zu sagen, dass ich in der Dienstzeit zum Arzt fahre, da hält mich die Polizei auf. Fahren ohne Freisprecheinrichtung – “Kostet sie 50,- “.
Dann schaut er sich meine Papiere an, schaut mich an und meint – haben wir heute nicht schon wegen CJ (Namenskürzel frei erfunden) telefoniert? Ich lächle, “ja ich denke schon wenn sie es waren der vor 1 Stunde seine Einvernahme gemacht hat”. Daraufhin kommen aus dem Mund des Polizisten wüste Beschimpfungen und Wuttiraden CJ gegenüber. Der Polizist zerreist meine Anzeige mit den Worten mit CJ bin ich eh schon genug gestraft und ich muss nichts zahlen wenn ich dem mal “a Watschn” gebe. Dies darf ich nicht, keine Gewalt gegenüber Klienten.
Man lässt mich fahren. Dazu muss man sagen, dass CJ seit Wochen nicht nur unsere WG sondern auch andere Dinge zerstört oder Sachen klaut und Beschädigt und seine Liste auf den Polizeikommissariaten imer länger wird. Aber CJ ist 14 und da sind die Staatsanwälte gnädig und er sitzt noch nicht in Haft. Aber die zuständige Polizei in unserer Region hat die Nase voll.Ich dafür eine Strafe weniger über was ich mich sehr sehr sehr gefreut habe!
Dann auf zu meiner Ärztin, sie hört mich ab und misst Fieber- leider 37,3. Sie fragt mich (natürlich freundlicher und diplomatischer) “Ob ich Spinne seit Wochen so in die Arbeit zu gehen?!” Sie weisst mich daraufhin, dass Verdacht auf Lungenentzündung vorliegt und ich sofort zur Pulmologin fahren muss. Sie meint ich bin ab jetzt im Krankenstand. Ich verweigere da ich heute Nachtdienst habe und morgen endlich die Verhandlung eines Klienten ist der Entlassen wird wo ich dabei sein muss. Ich verspreche ihr also jetzt noch zur Pulmologin zu gehen und morgen ab Nachmittag in den Krankenstand zu gehen. Sie ist dagegen und gibt mir ein langes Rezept und Überweisungen mit und trägt in ihrem Computer ein, dass ich den Krankenstand verweigere, denn sie meint wenn jetzt was ist und ich zusammenklappe muss sie sich absichern.
Bei der Pulmologin die nächste Standpauke. Die Ärztin erklärt mir dann nochmal genau wie das so ist mit verschleppter Bronchitis und meinen Abwehkörpern und Auswurf der nicht fair ist meinen Kollegen gegenüber und Fieber und ich die ich eh schon 2 Lungenentzündungen hatte. Und sagt dann zu mir: “Schaun sie da kommen täglich Leute an und wollen eine Krankschreibung und haben in Wirklichkeit nichts. Sie kommen an und haben anscheinend sowieso schon einen sehr anstrengenden Job und arbeiten mit heftigen Jugendlichen und weigern sich in Krankenstand zu gehen. Glauben sie sie sind die neue Mutter Theresa und bekommen einen Orden dafür?”
Ich muss lachen, sie hat recht die Welt wird nicht untergehen meine Klienten werden es überleben 1 Woche ohne mir und meine Mitarbeiter werden es schon irgendwie schaffen.
In der Apotheke fragt man mich ob ich ein Sackerl will und ich fahre nach Hause.
Es ist schwer für mich krank zu sein. Allein zu Hause die ganze Zeit ist “meine Hölle”. Den ganzen Tag im Bett liegen, schaff ich einfach nicht. Außerdem das Gefühl zu haben meine Mitarbeiter gerade “im Stich” zu lassen wo es gerade so zugeht.
In diesen Situationen merke ich wie unvernünftg und unverantwortlich ich mir gegenüber bin und daß ich schon wieder nur an die Arbeit und andere denke wie schwer es gerade ist.