Wir nehmen eine Riksha und der Fahrer weiß nicht so recht wohin er soll obwohl ich auf Malayalam (der Sprache in Kerala) doe Beschreibung und den Ortsnamen habe.
Mit viel Fragen bringt er uns in ein kleines Dorf und auch dort werden die Wege immer kleiner und am Ende eines Pfades wo nur noch ein Haus (in lila) steht deutet er uns, dass wir da sind und noch den Weg in den Dschungel müssen. Wir wissen nicht so recht – aber ein Mann und eine Frau deuten uns ebenfalls in Richtung des Weges und so stapften wir kurz durch den Dschungel und landeten bei einer Lichtung mit einem Tempel wo das Ritual schon begonnen hatte.
Wir waren die Atttraktion, denn viele Weisse verirren sich wohl um die Mittagszeit auch nicht hier her. Wir setzten uns also zu den Dorfbewohnern, auf einer Seite waren die ganzen Frauen und Mädchen, auf der anderen die Jungs und Männer. Alle starrten uns an und grinsten. Man bringt uns auf einem grossen Bananenblatt Haferflocken ähnliche trockene Flocken und Bananen zu essen. Wir freuen uns über die Gastfreundlichkeit der Menschen hier.
Theyyam ist nochdazu ein ursprüngliches Ritual bei dem die sozialen Hierarchien der Kasten umgedreht werden. Nur Männer der untersten Kasten dürfen diesen Ritus ausführen und die „besseren“ Kasten dürfen zusehen. Im Gegensatz zu anderen Keralischen Riten die zu Touristenshows wurden (Kathakali, Kutiyattam) kann man also Theyyam noch vorfinden so wie es in den Dörfern zelebriert wird. Und genau da waren wir – ein wunderbares Erlebniss!
In wundervollen roten Farben bemalt wurde der Theyyam Tänzer für das Ritual hergerichtet. Er trug einen Bastrock und mit Stangen wurde um seinen Oberkörper ein Gebilde gebastelt das sicher sehr schwer ist. Er wurde als Frau maskiert und nachdem sein ganzer Körper rot bemalt war mit Reis eingeschmiert und dann wurden Stangen die aus seinem Bastrock kamen angezunden.
Die Trommeln setzten ein und spielten verschiedene treibende Rhytmen. Der Theyyam Tänzer drehte sich und tanzte vor und zurück, zog seine Kreise im Tempel, erschreckte neckische Kinder und man konnte an seinen Augen erkennen, dass er langsam in einen anderen Bewusstseinszustand wechselte.
Langsam erhebt der Tänzer sein Schwert (er stellt heute Kali dar) sein getänzel wird weniger und verändert sich und auch die TRommelrhytmen werden langsamer. Der Theyyam Tänzer setzt sich auf einen Schemel und sofort strömen die Zuseher zu ihm.
Er ist nun in Trance Besessen von seinen Göttern und bereit Weissagungen für sein Dorf zu machen. Ich gehe auch hin doch er spricht auf Malayalam und ich verstehe nichts.
Die Kinder rücken uns näher und ein Mädchen kann sehr gut Englisch und fragt uns alles was sie weiß und die anderen rufen es ihr nach. „Where do you come from, what is your name, waht is the name of your father, where have you been in india….“ Es wird unangenehmer da man beginnt uns anzugrapschen und wir umzingelt sind von Kindern.
Nach dem Ritual hat man in riesigen Pfannen und Töpfen für die rund 200 Anwesenden gekocht und ludt uns zum Essen ein. Unter den Kokospalmen waren Sesseln und Tische aufgestelt worden und die Schulkinder in ihren Uniformen waren auch hier. Da es uns aber schon zu „eng“ wurde lehnten wir dankend ab und gingen nach diesem Eindrucksvollen Erlebniss den Dschungelpfad zurück und an dem einzigen lila Haus rief man uns eine Riksha zurück nach Kannur.
Für mich war es einfach umwerfend bei einem ursprünglichen Besessenheitsritus dabei gewesen zu sein. Wiedermal bestärkte es mich darin, dass auf der ganzen Welt ähnliche Riten praktiziert werden die erdig und primitiv erscheinen und sich abheben von dem was für viele Europäer mittlerweile Spiritualität bedeutet. Hier geht es nicht um weise Sprüche, denn die kommen aus einam Selbst in Trance, es geht nicht um Übungen die man nachmacht und ruihige Orte wo man seine Spiritualität auslebt. Das ganze Dorf ist dabei und dazwischen wird geplaudert und danach gegessen. Ein Ritus ist Bestandteil des Lebens und nicht etwas abgetrenntes wo ich mich an einen Ort begebe abseits der Menschen um mich herum, womöglich in Einsamkeit -wie es ja einige spirituelle Schulen vorzeigen. Es bestärkte mich auch wieder in meinem Weg, denn auch wir praktizieren genau solche Riten. Auch wir sehen das göttlich ein uns und unseren Körper manchmal als Kanal. Wir brauchen keine Gurus die tolle Bücher schreiben und deren Sätze wir als unsere Wahrheit annehmen, denn wir selbst werden zu den Weisen und wir selbst schaffen uns unsere Wahrheit die für uns stimmig ist und aus uns geboren wird. Somit war es für mich Mitten in Indien wiedermal eine Bestärkung meines Weges im Wicca.
Film zum Ritual auf Okto





