Wilde Sau – Sau wild

Die Sonne geht unter, wir haben es vollbracht.

Niemand hätte dies gedacht aber wir haben es getan – mitten drin in Fleisch und Blut. 60 Kilo Fleisch – Ein Wildschwein wurde geschlachtet. Es hang vor uns ausgeweidet.

Zuerst wurde ihm die Haut abgezogen. Stück für Stück. Magische Anziehungskraft. Blut tropfte langsam aus dem Kopf. Der Saft des Lebens -die Kraft ist aus diesem mächtigen Tier gewichen.

Es starb für uns. Für den Stamm der sich an diesem Wochenende versammelt hatte. Urkräfte der Wildsau sprangen auf mich über. Ich roch das Blut, zerschnitt das Fleisch. Es regte mich an, zwischen Ekel und betörender Kraft die über mich schwappte.

Mit jedem Stück Haut und Haaren wurde es weniger Schwein und mehr Fleisch. Rohes unbehandeltes Fleisch. Jede Sehne, jeder Muskel ein Kampf gegen das Loslösen. Loslassen, das Leben lassen, Opfer, die Macht des Menschen mit unfairen Mitteln gegen ein Tier, der Tod ist über das Tier gekommen für uns. Dieses wilde Wildschwein das im Wald seine lebendige animalische Urkraft ausgestrahlt hatte.

Scharfe Messer die Stück für Stück diese Macht zerschneiden. Stück für Stück , Stück für Stück. Spannung in meinem Körper, eine Ader die Platzt, Blut das an mir herunter rinnt. Wallendes Blut in meinem Körper, kaltes Blut auf meiner Haut.

Menschen die mir nahe sind, eine Schwingung eine Kraft die uns antreibt Stunde um Stunde.

Die Sonne geht unter und das Werk ist vollbracht.

Ich gehe mich Duschen. Die Anspannung in meinem Körper lässt nach. Ich versuche rational zu begreifen was passiert ist. Ich wasche das eingetrocknete Blut von mir und habe das Gefühl es geht nicht, der Tod klebt an mir. Ich wasche mich erneut aber das Gefühl bleibt. Noch eben Blut besuddelt, der süßliche Gestank scheint an mir zu haften. Ich kehre zurück zu den Menschen, habe das Gefühl man riecht es an mir, man sieht es mir an. Unwohlsein gepaart mit unglaublicher emotionaler Einsicht in den Zyklus des Lebens.

Plötzlich scheinen die Anderen fremd. Ich bin hier die Fremde. Ich merke ich gehöre hier nicht dazu, oder doch. Es liegt vielleicht an mir, Einsamkeit, Rückzug. Altbekannte Schatten melden sich und auch sie wurden genährt. Eben noch zu glauben sich jemand Nahe zu fühlen, doch es ist nicht echt. Eine Minute später Fremde. Auch das zerstückelte Schwein ist hier fremd. Hier war es nie und jetzt ist es in unseren Töpfen und Pfannen und auf dem Grill gelandet.

Keine sanfte Landung, ein saftiger Aufprall!

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19.6. Irgendwo in Nirgendwo in Deutschland

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