Lankas Schattenseite oder aber auch organisierte Betrügereien

 

Ist es tatsächlich das Land des organiserten Betrugs an Touristen? Einblicke in die Schattenseite eines Urlaubes. Eine kleine Bestandsaufnahme der Geschehnisse – um nicht einfach wegzuschauen.

Good old Ceylon wird als Paradies beschrieben und ist beliebt bei Europäern für Ayurvedakuren, Dschungelsafaris, Strände und Kultur. Das gibt es auch tatsächlich alles!

Doch das vermeindliche Paradies hat eine mächtige Schattenseite über die langsam begonnen wird unter Reisenden offen zu sprechen.
Es gibt eigene Facebook Seiten um „Touristen Scams“ öffentlich zu machen und sich gegenseitig zu warnen.

Hier nur jene Erlebnisse von mir die bei weitem nicht das Ausmass beschreiben was hier tatsächlich abgeht. Sich abzocken zu lassen ist natürlich teilweise mit Scham besetzt, hat man doch das Gefühl selbst nicht gut genug aufgepasst zu haben. Deswegen für manche sehr schwer offen darüber zu reden wo man in unguten Situationen gelandet ist.
Aber fangen wir mal an….

 

Where do you come from…
Ein Satz den jeder Einheimische kann und gleich danach meistens  in irgendeiner Form “ Money“.

Nachdem hier viele Deutsche ihr zu Hause gefunden haben, kennt man Österreich als Land daneben. Und viele Singhalesen sprechen ein paar Wörter deutsch, also gibt es diverse „Anmachsprüche“ mehrsprachig. (Auch auf Russisch und Chinesisch das derzeit im Vormarsch hier ist). Es wird mit der Zeit also richtig nervig wenn dich am Strassenrand jeder das gleiche fragt. „You want Tuktuk“, „Where do you come from“‚ „Lagoon Safari“…. irgendwas will man dir minütlich andrehen. Dies passiert an der Strasse wirklich jeden Schritt und nicht hin und wieder. Absurd wird es wenn du mit Schnorchel und Brille am Strand bist und jemand kommt und fragt ob du Schnorchel und Brille ausborgen willst, oder wenn du eine Kokosnuss schlürfst und jemand kommt „you want coconut“?

Natürlich gibt es Ausnahmen aber man entwickelt mit der Zeit schon am Beginn jedes Gesprächs eine unwillkürliche Abwehrhaltung – leider.

An unserem Lieblings-Rotti-Stand in Tangalle fragt uns die Verkäuferin das übliche „Where do you come From?“ „Austria“ ist unsere Antwort und sie grinst und sagt „You are from Happy Cow Cheese Country“. Sonst kommt immer nur „ah Australia, nice country“, aber sie hat es gecheckt, denn der Käse den sie verwendet kommt aus Österreich und auch sonst freut sie sich wenn du einfach nur ein Rotti isst und belästigt dich nicht. Schön !

 

Zur täglichen Konversation wird also:
„You need Tuktuk“
„No thanks“
„Maybe tomorrow“
„No thanks“
“ Where are you living i come to your place“
„No we dont need a Tuktuk!“
„Ok mam so tomorrow make a tour“
…
..
.

(Im Kopf laufen irgendwann destruktive Bilder ab was ich alles am Liebsten tun würde wenn mich der nächste anquatscht. Dann überlege ich mir ein Schild zu basteln mit „No Thanks“, dass ich hochhalten kann. Ich tue es nicht.)

Du musst also unfreundlich werden sonst hast du keine Chance. Nein, wird so nicht akzeptiert und der Beharrlichkeit entrinnt man nur indem man lernt beharrlich lächelnd „no thanks“ zu sagen und schnell weiter zu gehen.

Schnell weitergehen sollte man auch wenn ein Mann dich anstarrt während er seinen Penis betatscht. Solche Typen stehen am Strand gerne rum und starren die weissen Mädels an. Aber es passiert auch auf offener Strasse. Eine weisse Frau ist ein beliebtes Masturbationsobjekt.

 

In SriLanka darf man auch kein Problem damit haben das es ein unausgesprochenes Rassenthema gibt. Hast du eine weisse Hautfarbe zahlst du immer mindestens das doppelte. Für reiche Russen in ihren Luxusresorts ist das kein Thema, aber für jene die mit weniger Geld individuell reisen. Für die, die es wagen das Land zu bereisen, einzutauchen abseits der vorgegebenen Pfade ist es schwer die Schattenseiten zu ignorieren.

 

 

Wauw Preise teilweise wie in Europa…

 

SL ist definitiv -kein günstiges Land verglichen mit anderen Asiatischen Ländern oder dem Nachbarn Indien.

Unterkünfte wie Hütten am Strand sind rar gesät und umso mehr kosten sie. Wo man in Indien rund 15.-€ oder Thailand 20.-€ die Nacht in guten Hütten zahlt liegt man hier bei halbwegs sauberen Strand-Unterkünften bei 40-60.-€ die Nacht, ohne grosses Service.
Ausnahme sind Homestays im Hinterland, wo du bei Familien wohnst und ist wohl die Variante bei der man die echten Gastfreundlichen Singhalesen kennen lernen kann.

 

Essen – Luxusprobleme

Wer auch immer es eingeführt hat (wahrscheinlich britische Kolonialherren), man bekommt zum Frühstück überall das Gleiche. 2-4 Scheiben dickes angeröstetes Toastbrot, Butter, Marmelade, Eier und eine Kanne seichten Kaffe oder Tee.

Ansonsten gibt es die günstigen Speisen auf der Strasse wie Rotti (Ähnlich wie Palatschinkenteig und gefüllt), Kottu (gehackter Palatschinkenteig mit Reis und Gemüse) oder Reis mit Curry (mir immer zu scharf). Dann gibt es Fisch bzw. Prawns, Calamari….der immer mit Salat und Pommes kommt, leider die etwas teurere Alternative wenn dir der Rest schon zu langweilig wird.

Nach einigen Wochen hängt dir tatsächlich langsam alles zum Hals raus da es wirklich nicht viel mehr gibt. Deswegen sind wir Touristen dann auch gewillt um 1500.- LKR (8,50 €) eine teure Pizza zu Essen.

 

Auch für echten Kaffe zahlst du schnell mal 500.- LKR (3,50€), also alles in allem alles nicht so billig wie ich dachte hier.
Dazu kommt, das am Ende zum angeschriebenen Preis überall egal ob Essen oder Unterkunft 10% Taxe für Touristen dazu gerechnet werden. Manchmal ist der Preis zu unserer Verwirrung inklusive 10% manchmal ohne und manchmal sagen sie es dir erst beim Bezahlen.

 

Es ist ein Land für Leute die Ayurveda Kuren machen, sich einen Driver mieten und generell Geld haben und ausgeben. Die coolen Surfer Hotspots bieten Boutique Hostels.

Dots, Salt, Hangtime und wie sie alle heissen sind hip für Hipster Surfer und alles hat seinen viel zu hohen Preis.

Russen findet man in den Luxusresorts und irgendwo dazwischen Traveller und Backpacker die in Homestays eine günstige Bleibe finden können.

 

Die durchorganisierte Abzocke ist was mich am meisten bestürzt. Ich bin es aus Indien gewohnt, dass man dir alles was geht verkaufen will und man gut handeln muss sonst ziehen sie einen übers Ohr. Aber in Indien ist auch alles spottbillig und damit finanziell gut verkraftbar. Hier machen sie es mit System und einer Organisiertheit die mich sogar noch überrascht.

 

Durchs Land Öffentlich

 

Das Bussystem ist günstig und gut ausgebaut. Man muss allerdings damit leben, dass dies die gefährlichste Art zu Reisen ist. Vor allem die Express Busse rasen mit einem Tempo durch die eher kleinen Strassen, dass einem schnell schlecht wird. Die „Driver from Hell“ fahren hier schlimmer als in Indien und der Adrenalinpegel steigt unweigerlich. Dank an alle Götter wenn man es lebend an sein Ziel schafft.

Ausserdem werden Busse mit Menschen vollgestopft und schnell kann es passieren das du stundenlang eingezwängt stehend verbringst. Zwischen , Betelnuss kauenden grinsenden Singhalesen und permanentem „Where do you come from“ und „Give me money“ kann dies zum gewagten Abenteuer werden.

Zugfahren ist fein, aber manche Routen so nicht machbar oder Tickets ausverkauft. Es gibt zB. eine Zugstrecke die bei Touristen beliebt ist, von Kandy nach Ella. Doch die Tickets sind derzeit bereits für ein Monat ausverkauft. Manchmal bekommst du aber von Agenturen noch ein Ticket um den 10-fachen Preis natürlich. Diese kaufen nämlich alle Tickets auf um sie dann Touristen weiter zu verkaufen.

Der Grossteil der Touristen leistet sich private Autos mit Fahrern und bereist auf diese Art die Sehenswürdigkeiten. Für rund 60.-€ pro Tag anscheinend das beliebteste Reisemodell hier.
Von A nach B ist es manchmal tatsächlich besser ein Taxi zu nehmen, da 4 Stunden im Auto durchwegs angenehmer sind als 6-8 Stunden im Bus. Und sogar die 4 Stunden im Auto bei all den Kurven und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40-50kmh kann mühsam werden.
Tuktuks sind super für kurze Strecken. Aber egal wie man es angeht – generell versuchen dich alle, wirklich alle, sogar die Busfahrer – übers Ohr zu hauen.

 

Wir fahren mit dem Bus, der sehr billig ist und wollen zahlen. Der Schaffner deutet uns „später, später“. Bei der Endstation lässt er alle Einheimischen aussteigen bevor wir zu unserem Gepäck können. Dann verlangt er 100.- LKR pro Person. Ich sage ihm es kostet nur 20.- denn ich habe mich davor erkundigt, er wird ungehalten und will das Geld. Er drängt meinen Freund aus dem Bus, der bleibt aber in der Tür stehen, eine ungute Situation und schliesslich zahle ich 50.-LKR und setze mich durch.

Colombo nach Negombo, AC Bus ich frage beim einsteigen nach dem Preis, 120.- LKR, super denke ich. Dann im Bus will ich zahlen und er verrechnet uns das Gepäck dazu, letzendlich kostet es pro Person 200.- LKR, auch nicht die Welt aber nunmal nicht der Preis den man uns beim Einsteigen sagte. Ständig ist man in Situationen wo man sich ärgert und keine Chance hat, das färbt natürlich ab und man ist permanent auf der Hut.

Ebenfalls im Bus auf der Fahrt nach Arugam bleibt der Bus kurz davor in einem Ort stehen. Der Busfahrer ist weg und es steigen lauter TukTuk Fahrer ein und sagen es ist Endstation. Ich sage ihnen, dass der Bus weiter fährt, sie wollen uns zum Aussteigen zwingen damit wir mit ihnen mit fahren. Ich überzeuge noch einige andere Touristen davon sitzen zu bleiben und nicht auszusteigen.
Man lässt uns im Bus warten und die Fahrer versuchen weiter ihre Lügen. Nach 10 Minuten beharrlichem Diskutieren kommt der Busfahrer wieder und wir fahren weiter.

 

mit dem Taxi

Die Taximafia ist auch ein Thema für sich und war eine echt traurige Erfahrung für mich. Wir hatten einen Taxifahrer der uns ein gutes Angebot machte um uns von Kandy nach Ella zu bringen. Er war gut geschult, da er wusste wie man mit uns spricht. Er hat so getan als würde er es schlimm finden wie wir Touristen überall beschissen werden und es doch viel besser ist ehrlich zu sein usw.Es waren nette Gespräche und tatsächlich nach einigen Stunden fahrt habe ich irgendwann einmal bei einem kurzen Stop bei der Teeplantage den kleinen Rucksack im Auto lassen. Nachdem er ein ganz cooler Typ war, nicht zu anstregend, höflich und auf uns einging,,dachte ich tatsächlich der ist ok. War nicht so und unterstützt eine Haltung die nicht angenehm ist, jeder Singhalese wird plötzlich für dich zum Abzocker, damit ist man nur noch schwer offen für authentische Begegnungen.

 

Es passiert dir überall das man dich anlügt. Zb. willst du zu einer bestimmten Unterkunft und sie erzählen dir die gibt es nicht mehr, aber sie kennen eine bessere. Oder du fragst wegen einen Scooter, lehnst ab weil der Preis zu teuer ist und er meint „nur er“  hat Scooter. Stimmt natürlich nicht.

Da ist noch die Sache mit den Sehenswürdigkeiten. Es wird viel (zu viel) Eintritt verlangt. Als wir unterwegs harmlos bei einem Wasserfall stehen bleiben, vom Moped absteigen um ein Foto zu machen kommt sofort jemand und will 50.-LKR dafür, dass du ein Foto machst.

Am schlimmsten ist es mit den Tempeln. Egal ob Hindu oder Buddhistentempel. Als Tourist musst du zahlen oder sie drängen dich zu „Donation“ und schauen ob du genug spendest.

In einem Tempel versuchte uns jemand ein Ticket zu verkaufen vor dem Eingang, das war natürlich ein Fake, denn der Eintritt war erst drin zu bezahlen.

Ich habe in Indien oder Thailand schon so viele wunderbare Tempel gesehen und wunderbare Erlebnisse gehabt, ohne Eintritt.

Hier vergeht es mir tatsächlich, denn die Penetranz sogar in kleinen Heiligtümern nur für eine kurze Besichtigung Geld zu verlangen ist unangenehm.

(Ich bin froh abseits der Touristenpfade Tempel entdeckt zu haben wo wir mit den Locals gemeinsam an den Pujas teilnehmen konnten, ohne Geld ohne Druck)

 

Spice Gardens ebenfalls eine unglaubliche Abzocke. Eigentlich für mich als Kräuterfrau spannend im Land der Gewürze und des Tees zu sein. Aber wirklich jeder Fahrer will dich in einen Spice Garden bringen. Und auch wir entkamen dem nicht , da er ja gratis war.
Dort wirst du herumgeführt und schaust dir -für mich -nicht so aufregende Pflanzen an (Zimt, Ingwer, Vanille usw.). Wenn du fragen stellst über andere Pflanzen oder anwendungen merkt man schnell das der Guide nur ein gewisses Repertoir hat. Dann versuchen sie dich zu seperieren und du sollst plötzlich Massage machen, Pulsdiagnostik usw. und erzählen welche Probleme du hast damit ein auf dich abgestimmtes Öl oder Pulverchen gerührt wird. Verneinst du, rückt man dir auf die Pelle mit einer Liste ihrer Produkte. Um dem zu entkommen wirst du durch den Shop geschleust und zu getextet. Immer freundlich lächelnd und darauf hinweisend wie wichtig es ist, dass man sie unterstützt und fördert. Ohne zumindest eine Stange Zimt oder eine Aloe Creme kommst du kaum raus. Spezialisiert sind sie auf ältere Deutsche Reisegruppen, die netten Menschen die sich schwer tun nein zu sagen und sich schnell überrumpeln lassen.

 

 

Beach Boys
Zum Strandbild gehören die weissen Frauen mit den braungebrannten drahtigen Typen in SL dazu.
So wie Männer nach Thailand fahren um hier Spass mit Thaifrauen zu haben (oder Mädchen),  kommen nach SL schon lange Zeit weiße Frauen um sich auf Beach Boys einzulassen. Manchmal endet das natürlich unschön. Die Beach Boys sind oftmals verheiratet, haben Kinder und „machen das“ nebenbei. Sie leben am Strand und so betrachtet verkaufen sie sich. Dieses Thema wurde mittlerweile in einem Buch abgehandelt.

Alles in allem gäbe es noch so viele Geschichten von anderen Reisenden die ich mitbekommen habe und finde es sollte mehr in die Öffentlichkeit damit man vor einer Reise nach SriLanka weiss worauf man sich auch einlassen muss.

Von „Whale Watching“ und überladenen Booten , Safaris die mehr einer Massen-Jagd gleichen und zwielichtigen Turtle-Aufzuchtstationen will ich gar nicht weiter sprechen. Ich habe es bewusst auslassen. Mondsteine kauft man besser und billiger bei uns als im Herkunftsland Sri Lanka, da sie dich sowieso nur betrügen.

Natürlich muss man sich in Erinnerung rufen, dass es hier bis 2009 einen heftigen Bürgerkrieg gab. Dazwischen der Tsunami 2004 der 35tausend Menschen das Leben kostete und ca. 1/2 Million Menschen obdachlos gemacht hat!

Auch für Singhalesen ist das Leben sehr teuer geworden. Hat eine Kokosnuss vor 3 Jahren noch 40,- LKR gekostet, kostet sie jetzt 80,-. In einem Land wo fast alle vom Tourismus leben führt dies zu unbarmherziger Konkurrenz. Die Bedingungen werden also für Einheimische immer schwieriger. Alles verständlich, doch die Konsequenz daraus Touristen mehr abzuzocken passt für mich nicht.

Viele Touristen verlassen natürlich ihre Ayurveda Resorts kaum oder haben mit dem Driver eine völlig durchgeplante Pauschalreise gebucht und bekommen dadurch vieles nicht mit. Manche schauen auch einfach weg oder trauen sich nicht in solchen unangenehmen Situationen etwas zu sagen. Man hat ja schliesslich Urlaub! Ich denke es wird Zeit sich nicht für dumm verkaufen zu lassen. Und es ist schade, dass solche Erlebnisse dazu führen, dass man SL nicht als nettes Reiseland in Erinnerung behaltet.

(alles ein Subjektiver Blickwinkel natürlich!)

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