Schwach auf den Beinen in einem hässlichen Hotelzimmer kam ich mir wie in „The Beach“ vor. Essen konnte ich nach wie vor nichts und ich ernährte mich von Cola und zwang mich bei Starbucks ein Croissant zu Essen damit ich nicht zusammen klappe.
Mir ging es nach wie vor nicht gut aber im Hostel konnte ich einfach nicht bleiben dort ging es mir noch schlechter und ich wollte doch Bangkok erleben.
Allein streifte ich in Bangkok herum. Es war heiss 32° C und sehr feucht obwohl es abends war. Der Schweiß tropfte und rann an mir herunter. Obwohl mir die Füsse schon weh taten war mein Ziel der Tempel mit der einzigen Kali Statue in Bangkok.
In der SilomRoad steht er der SRI MARIAMMAN Tempel, ein Hindutempel der Shaktisekte der 1879 von südindischen Tamilen erbaut wurde.
Beim Shaktismus steht an erster Stelle die Verehrung der Großen Göttin, der Mutter und die Götter sind von untergeordneter Bedeutung. Shakti als die Potenz und Schöpferkraft.
Ich betrat langsam und voller Spannung (ohne Schuhe) den Tempel, natürlich mit Tuch um die Schultern um nicht nackt zu wirken. Überall waren Schilder „No Photo“, „No Camera“ und ich war die einzige Ausländerin. Hier leiteten junge indische Brahmanen den Tempel bzw. verrichteten sie die Arbeit hier und ich habe noch nie so gut aussehende Männer gesehen – wauw- ich war hingerissen – ob wohl alle Männer der Shaktisekte so toll aussehen? Dann könnte ich mir doch überlegen zu konvertieren, ich meine soweit von Wicca wäre das jetzt auch wieder nicht oder? Irgendwie scheint es mir sowieso so, als würden nur die Europäer wenn es um Buddhismus und diverse religiöse Gemeinschaften geht so genau sein und auf Traditionen und Konventionen pochen. Denn wieder einmal habe ich erlebt wie einfach und -in diesem Sinne traditionell- es ist wenn ein Hindutempel in Bangkok steht indem auch Buddha verehrt wird und wird und teilweise Daoistische Elemente zelebriert werden. Alles kein Thema!
Worauf jedoch sehr wohl geachtet wird ist das wie – also das man eben wenn man im Tempel agiert auch weiß was man tut.
Englisch konnte hier nur einer – der Mann der die Opfergaben verkaufte. Dem erklärte ich auch, dass ich meine Opferschale für Kali verwenden möchte und ich alles für Kali opfern möchte. „Kali?“, fragt er mich ungläubig, doch er merkt meine Sicherheit und bringt mich zu der kleinen Statue. So stand ich vor Kali in ihrer goldenen Pracht und wurde ganz ganz klein.
Dann wurde ein Brahmane zu mir gerufen der mich noch mal fragte „Kali, Kali ?“.
Dann wartete er bis ich meine Kokosnuss und die Bananen geweiht hatte und nahm sie mit in den hinteren Tempelraum wo die Opfergaben gesammelt werden. Meinen Blumenkranz legte ich um Kali und dann setzte ich mich auf den kühlenden Tempelboden und beobachtete das treiben um mich und betete auf meine Art.
Mein Schweiß mischte sich mit Tränen und die Frau neben mir betete und hielt eine Karte in der Hand wo ein menschliches Skelett abgebildet war – sie schaute mich aus traurigen Augen an und deutete auf ein Bein auf der Karte – ich konnte nirgendst hin deuten – ich betete für mein Seelenheil. Und so saßen wir am Tempelboden und sie redete betend und ich sang meine Lieder – meine Art zu beten.
Wieder einmal fühlte ich wie gelebte authentische Spiritualität verbinden kann – auch ohne einander mit Worten zu verstehen- und was Demut und Achtung vor den Göttern und uns Menschen ausmacht. Wieder einmal durfte ich den Augenblick der transzendalen Nähe spüren – Geborgenheit, Schutz die in mir Demut und Sehnsucht nach meinem Heil und Glück hervorruft.
Dann setzte ich mich vor einen Buddha und bat ihn um seine Weisheit und nahm die Box mit den Stäbchen und schüttelte sie bis genau eines heraus gefallen war – Nummer 19 war also die Antwort die ich in Form eines Zettels bekam der leider nur auf Thai und Chinesisch beschriftet ist und ein Rätsel aufgibt das es noch zu Lösen gilt!
Das Originale I Ging ist das „Buch der Wandlung“ das man in daoistischen Tempeln befragen kann und 64 Grundzeichen hat – das kannte ich schon aus meiner Zeit als ich in Taiwan war und mir eine Chinesin beibrachte was ich zu tun hatte. Aber hier sind es 28 Stäbchen und ist wohl eher eine art Horoskoporakel das man befragt.
Noch immer ist außer mir kein Fremder zu sehen und manchmal ernte ich eher skeptische Blicke und ein anderes mal aufmunternde anerkennende Blicke. Mir gibt es ein gutes Gefühl kein solcher Tourist zu sein der mit nackten Beinen und kurzärmeligen Shirt ausgerüstet mit blitzenden Kameras heilige Rituale stört. Dennoch zeigt man mir, dass ich hier Aussenseiter bin , denn als ich meine Milch über den Lingam giesse und darum bitte für meine Projekte mit Hagazussa Freunde und Fruchtbarkeit zu finden eilt ein Tempel-Security herbei der mir nicht zutraut das Richtige zu tun.
Nach wie vor schwitzend, ergriffen und benommen vom Trubel und den lauten Glocken verlasse ich mit einem roten Punkt auf der Stirn (ein Segenszeichen) den Räucherstäbchen geschwängerten nebeligen Tempel und stehe wieder- wie wenn nicht geschehen wäre -auf der Silom Road.