Bangkok 16.-18.3. 2012

Von der Insel in die dampfende feucht-heiße Stadt und ich mitten auf der KhaoSanRoad. Mitten unter betrunkenen Touristen die sich hier lautstark gehen lassen und noch dazu St. Patricks Day. Trubel und die Auswirkungen des Alkohols auf junge Touristen bieten mir allabendliche Unterhaltung. Ich wohne diesmal im D&D und genieße die Aussicht von meinem Rooftop über die glitzernde laute Stadt. Das D&D ist nicht das billigste Hostel und normalerweise würde ich die Soi Rambuttri vorziehen, aber ich wollte es mal wissen wie es ist mitten auf der Khao San und eigentlich ging es mir um den Rooftop den ich täglich nutze um zur Ruhe zu kommen und in der Hitze auszuspannen. Das Zimmer hat kein Fenster, denn die Zimmer mit Fenster gehen auf die Khao San Road und sind somit mehr als laut da hier bis in den Morgen gefeiert wird und auch Ohropax helfen da nicht da der wummernde Bass der Discos auf der Strasse durch die Matraze kriechen. Das Zimmer ist ok und halbwegs sauber und ich habe meine 2 großen Kakerlaken aus Koh Lipe hier gegen mehrere kleine Kakerlaken eingetauscht, aber irgendwie ist das alles ganz normal. Was Hygiene anbelangt merke ich immer wieder wie steril wir Europäer sind. Vieles was hier ganz normal ist wäre bei uns absolut verpönt und gegen die Etikette. Hier ist es normal wenn man im Bus die Füße auf dem Koffer eines anderen hat weil der Bus so vollgestopft ist. Es ist normal, dass sich jemand auf den Sitzplatz neben dich quetscht und man sehr engen Körperkontakt hat auch wenn jeder schwitzt. Es ist normal, dass Kakerlaken, Ratten usw. hier überall mit dabei sind auch in sauberen Zimmern. Aber Sauberkeit ist nun mal hier auch völlig anders im Vergleich zu Europa. In diesem Sinne im Vergleich zu Indien ist Thailand extrem sauber, im Vergleich zu Österreich eher verwahrlost. Im Vergleich zu Indien eher ein reiches Land mit wenigen Bettlern und weniger Menschen die auf der Strasse leben, im Vergleichzu uns nach wie vor traurig.

Da es so heiß ist in Bangkok schaffe ich kaum mein vorgesehenes Programm. Ich mache die Tage nicht viel -außer Shopping. Ich war natürlich am Chatuchak Weekendmarket einer meiner liebsten Märkte die ich auf dieser Welt kenne. Dennoch müsste ich ein Ranking einführen würde nach wie vor der Sonorra Mercado in Mexiko City führen da er einfach für mich der abartigste Markt ist den ich kenne.

Ich verbringe also fast den ganzen Tag am Chatuchak Markt und flaniere über das grosse Gelände.Sonntags war ich dann im MBK und im Siam Discovery. Dort gibt es jetzt einen Lomography Shop den ich besuchen wollte in der Hoffnung hier eine billige Lomo zu ergattern, aber weit gefehlt die Preise sind weltweit gleich. Im MBK finde ich dann einen Fotoladen der eine Holga hätte um 2500 Baht mit Flash, also etwas billiger als bei uns. Ich entscheide mich aber dagegen, denn um 20,- € billiger zahlt es sich nicht aus hier eine Kamera zu kaufen die ich vielleicht doch noch billiger auf ebay finde. Am Weg raus aus dem MBK findet am PLatz daneben gerade eine Muay Thai Weltmeisterschaft der Jugend statt also schaue ich mir noch einen Boxkampf an und begebe mich auf die suche nach dem richtigen Bus heimwerts.

Abseits vom Shoppingwahnsinn wollte ich eigentlich in die Tempel schauen um ein wenig zu meditieren, aber irgendwie passt es nicht. Die Hitze und das viele herumgehen machen mich etwas müde und somit streune ich ziellos in Bangkok herum schaffe es aber diesmal in keinen einzigen Tempel.

Achja ursprünglich wollte ich eigentlich zu Mr.Tung um mich tätowieren zu lassen. Mr. Tung ist ein unglaublich netter und großartiger Tättowierer in einer der Nebengassen der Khao San und ich schaue Samstags zu ihm. Leider ist er völlig ausgebucht, arbeitet am Sonntag nicht und es ist ihm lieber wenn ich mir mehr Gedanken mache was genau ich wo will. Also plaudere ich ein wenig mit ihm und seiner Frau, schaue mir die neuesten Kreationen an und Entscheide mich dafür in einem Jahr wiederzukommen. Mr. Tung macht nur individuelle Tattoos und Freihand und somit ist entschieden ich muss bald wieder kommen, vielleicht wird ja was aus der Idee nach Kamboscha zu reisen im nächsten Jahr.

Beim Frühstück treffe ich auf ein älteres Paar mit dem ich mich angeregt unterhalte. Es ist einfach genial was für spannende Geschichten man hört wenn man alleine unterwegs ist und auf Menschen trifft. Die beiden sind aus Israel. Sie hat Chinesische Kultur studiert und arbeitet für eine Organisation die die Vernetzung zwischen China und Israel auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene betreibt. Anknüpfend an meine Erfahrungen damals aus Taiwan diskutieren wir angeregt die Problematik des „Gesichtsverlustes“ und wie schwer es für uns Europäer ist wenn wir unsere Kultur als „Norm“ betrachten und die anderen als „Abnormal“ und uns darüber beschweren warum wir angelogen werden oder das Verhalten verurteilen – alles eine Frage des Blickwinkels oder?

Er ist Architekt und baut Resorts an neuen Touristenorten. Ich gerade zurück aus KohLipe bringe ihm genau das Bild mit das er gut kennt. Eher Unbekannte Orte die plötzlich zu Touristenzielen werden. Die Einheimischen werden verdrängt, Fremde machen Business, teure Resorts entstehen für reiche Leute und bald kippt die Umwelt weil man nun mal nichts anderes kennt als den Müll zu verbrennen oder alles ins Meer zu leiten. „It`s all about the Money“ und wir vergessen, dass es eigentlich die Natur ist die wir lieben wenn wir zb. in Thailand auf der Insel sitzen, doch wenn es so weitergeht ist bald alles kaputt und viele Insel gibt es nicht mehr die so unberührt sind, dass man sie vor dem Massentourismus schützen kann.

Der Sonntag Abend, mein letzter Abend gestaltet sich dann auch noch sehr interessant. Ich treffe auf meine Schweden die ich leider nicht mehr gesehen habe und die mir wirklich abgegangen sind. Sie sind gerade auf dem Weg zum Flughafen, eine kurze Umarmung und weg sind sie. Ja mit den Schweden war es wirklich super genial und intensiv und einfach  im Fluss. Ein Grund mehr einmal nach Stockholm zu fahren!

Ich war auf dem Weg um mich mit P. und M. (mit denen ich auf Koh Lipe rumgehangen bin) zu treffen da sie Samstag abend in Bangkok angekommen sind und P. ja hier wohnt. Doch P. teilt mir mit sie haben wahrscheinlich gerade Schluss gemacht. Zu groß die Kluft der unterschiedlichen Bedürfnisse. Ich treffe mich mit P. in der Samsen Road wo es ein wenig abseits des Touristenwahnsinns kleine nette Bars an der Straße gibt. Die BluesBar und daneben das Cafe Bagdad zum Shisha rauchen sind zu empfehlen.

Nachdem ich ein wenig mit P. geplaudert habe stellt sich heraus M. ist in der Nähe und in einem Hostel eingecheckt  und wir werden hinschauen. Nachdem ich schon auf der Insel immer wieder mit den 2 über ihre Beziehungsprobleme geredet habe (das Los einer Psychologin auf Reisen) ist es P. sehr recht wenn ich mitkomme. Wir treffen auf M. in der Madame Musar Bar in der Soi Rambuttri eine sehr nette gemütliche Straßenbar. Irgendwie sitzt dort dann M. mit einem Pärchen dort und wartet auf uns. Eine Deutsche die heute in Bangkok angekommen ist um ihre „Liebe“ zu besuchen und eben „er“ -ein Ägypter der hier in Bangkok eine Shishabar hat. Der Ägypter freut sich gleich eine Psychologin zu treffen und meint das würde er eigentlich gut brauchen derzeit, die Deutsche ist auf die nächsten Tage gespannt und wie es mit ihrer „Liebe“ weitergeht. Der Ägypter gibt mir seine Visitenkarte für den nächsten Bangkokbesuch, ich soll mich unbedingt melden. M. kämpft mit den Tränen und P. hat nicht so recht Lust zu reden. Schließlich verlasse ich die illustre Psycho-Runde, ist mir dann doch zu heftig und zu real die ganzen Storys. Tja –  Liebe Leiden der Kampf um Kompromisse, Menschen die nicht auf andere eingehen wollen sondern nur ihre Wahrnehmung nachvollziehen können, romantische Geschichten, Dramen, Tränen…nicht schlecht das Programm und ich mitten drin im Geschehen immer wieder um Rat gefragt. Nichts desto trotz ist es Zeit für mich zu gehen und meinen persönlichen Abschied von Thailand zu nehmen und so wandere ich ein letztes mal durch die schwüle Stadt, sitze ein letztes mal am Rooftop und packe meinen Rucksack (25Kg).

Es war gut, es war schön, es hat mich sehr gefreut!

 

 

 

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