die intensität das leben zu spüren und die mickrigkeit des menschen der so absurde dinge macht wie ein tier zu schlachten
ein mensch der spürt wie klein er ist da er sich tiere zu untertan macht um sie zu essen
ein gefühl der macht und machtlosigkeit
der mensch der über leben und tod urteilt
die kraft des lebens besiegen wollend
die angst des tieres in seinen augen und schreien
der kontakt mit dem tier
selbst voller angst und ungewissheit
tränen, die kehle schnürt sich zu
mein herz klopft mit seinem
mein blut pulsiert im gleichen rhythmus wie sein blut durch die adern pulsiert
ich höre nichts mehr
fühle mich flau und klein
dann wie eine welle, ein impuls, ein augenblick der reinheit und klarheit
so soll es sein spüre ich – so darf es sein spüre ich
mein zittern wird weniger
meine gewissheit wird mehr
ich spüre nichts mehr – bin all eins – auch das huhn in meiner hand ist teil des ganzen
und heute ist es an mir – heute muß ich dieses huhn opfern und einen teil meiner persönlichkeit opfern
ich hebe die axt
kann nicht sofort zuschlagen
spüre wie man mich dazu drängt mich zu beeilen
wie aus der trance rausgerissen bemühe ich mich zuzuschlagen
brauche 2 anläufe
bin nicht sicher ob es das war
ist es tod?
ging es so schnell?
welch grausamer mensch bin ich
ich halte das leblose noch warme huhn in meinen händen
ein unglaublich heftiges gefühl der demut und dankbarkeit ist in mir
dieses huhn hat sein leben für mich geopfert
es hat gelebt um für mich zu sterben
ein größeres opfer kann es nicht geben
ich rupfe das huhn, weide es aus, köpfe es
es dauert lange – sehr lange – ein huhn beim billa ist um einiges steriler und einfacher zu bekommen
es war ein wundervolles prächtiges stolzes huhn
ich bin so unendlich dankbar für dieses geschenk
die gefühle in mir sind nicht in worte zu fassen
ich spüre kein mitleid
ich spüre etwas wie all-eins-sein und demut
spüre wie klein ich als mensch bin und wie verwoben alles mit allem ist
später essen wir es -das huhn- dann
der erste bissen – ekel
aber dann die gewissheit das es so richtig war
es hat etwas archaisches und echtes
etwas unbarmherziges aber respektvolles
in mir ist ein teil mit dem ersten huhn das ich geschlachtet habe gegangen und dafür etwas anderes in mir gewachsen
leben und leben lassen, töten und getötet werden, der zyklus der wiedergeburt
ein so intensives gefühl das es kaum auszuhalten, kaum wieder zu geben ist
danke dem huhn in tiefster demut