{"id":292,"date":"2010-01-03T20:45:50","date_gmt":"2010-01-03T19:45:50","guid":{"rendered":"http:\/\/ladypurple.hagazussa.tv\/?p=292"},"modified":"2011-10-08T11:42:50","modified_gmt":"2011-10-08T09:42:50","slug":"rauhnachte-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/purple.wildherb.at\/?p=292","title":{"rendered":"Rauhn\u00e4chte 2009"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n dich gesehen zu haben, sagte er. Eine profane Aussage gegen\u00fcber meines vollen Herzens und meiner Traurigkeit die mich seit letzter Nacht \u00fcbermannt hatte.<\/p>\n<p>Immer wieder werde ich darauf gesto\u00dfen, dass vielleicht nur wenige solch tiefe romantische melancholische Emotionen leben- anscheinend zumindest. Und dann ist da noch die Komponente, dass ich Wienerin bin und unser Schm\u00e4h und unsere depressiven Anwandlungen vielleicht nicht ganz so leicht zu ertragen sind.<\/p>\n<p>Doch meine Gef\u00fchlswelt war in heller Aufruhr, der Serotoninspiegel schien immens zu schwanken und ich f\u00fchlte mich voller Liebe und voller Schmerz.<\/p>\n<p>Es war wohl einer der sch\u00f6nsten Morgen gewesen die man nach 3 Stunden Schlaf und einer aufkeimenden Grippe mit Megahalsweh und Gliederschmerzen haben konnte. Aber das hell des Morgens in der Winterpracht, Tiefschnee, glitzernder Reif auf den B\u00e4umen die sich gegen das grau der Nebeldisen streckten.<\/p>\n<p>Da war er nun mein pers\u00f6nlicher Held, mein Forseti, auch wenn er wohl eher glaubte ein Zen-Loki zu sein. Wie auch immer, nach einer rutschigen Fahrt durch den Wald hinunter in die Anderswelt stand ich erneut einsam am Bahnhof so wie bei meiner Ankunft als mich niemand abholte und mich niemand mit Freude erwartete. Der Zug hatte Versp\u00e4tung und ich sinnierte \u00fcber die Profanit\u00e4t\u00a0 eines Satzes nach, der mir wieder zeigte das hier ein Ungleichgewicht herrschte zwischen meiner Gef\u00fchlswelt und der der Anderen.<\/p>\n<p>Ich merkte wie viel sie mir bedeuteten diese Menschen und wie sehr ich sie liebte, ja ich war ein willkommener Gast und dennoch \u2013 eben ein Gast.<\/p>\n<p>Leute wie Forseti waren Teil von ihnen, wurden angehimmelt\u2026 ich konnte es verstehen war er doch einer jener denen ich mein Herz \u00f6ffnen konnte, an dessen Seite ich mich einfach\u00a0 wohlf\u00fchle\u00a0 und sein darf.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen war ich angekommen, es schneite und niemand erwartete mich. Dann holte man mich im wilden Schneegest\u00f6ber der Rauhn\u00e4chte. Viele waren da auf die ich mich gefreut hatte und hier durfte ich Gro\u00dfteils sein- ohne Maske des Alltags.<\/p>\n<p>Es ist in diesen wenigen Tagen viel passiert. Wiedermal wusste ich warum ich Wicca geworden bin und nicht bei einer anderen Gemeinschaft gelandet bin wo Ausgrenzung und Ego an der Tagesordnung sind. \u00a0Wicca ist Liebe und Gemeinschaft und nicht magisches Egopushing. Wicca ist Verst\u00e4ndni\u00df und Individualit\u00e4t. Wicca ist Rituale zu leben anstatt sie zu nachzustellen. Im Kreis zu stehen ist mehr als irgendein magisches Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p>Und schon so wie vor vielen Jahren war ich Teil oder doch nur Gast einer deutschen Gemeinschaft geworden.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck geworfen in die Realit\u00e4t stopfte ich mir einen Burger rein, nachdem ich eine Woche so viel Gem\u00fcse gegessen hatte wie sonst in einem halben Jahr nicht um mir die Zeit zu vertreiben bis der Zug kam.<\/p>\n<p>Es wurde eine lange Zugfahrt \u2013 I took the long way home.<\/p>\n<p>Eindr\u00fccke, Gef\u00fchle, Bilder der letzten Tage flitzen an mir vorbei wie die Schnee-Welt da drau\u00dfen, ratternde Zugr\u00e4der unter mir, Winterlandschaft und Menschen die wild fluchend \u00fcber die Zugversp\u00e4tungen in ganz Deutschland im Zug hin und her rannten.<\/p>\n<p>Ich habe Stricken gelernt, eine seltsame Erfahrung konnte ich bis dato solch handwerklichen Frauenbasteleien wenig abgewinnen, wurde ich alt- bin ich alt? Aber ich bin ein Talent jubelten die anderen strickenden Frauen und meine erste Armstulpe entstand. (Die zweite ist schon fast fertig.)<\/p>\n<p>Aber es hatte etwas unsagbar Sch\u00f6nes wenn die Frauen am Kamin sa\u00dfen und strickten w\u00e4hrend die M\u00e4nner f\u00fcr uns sangen, wir uns unterhielten und eng beieinander waren. Das war Romantik und N\u00e4he die mir jetzt noch im Gedanken kalte schauer den R\u00fccken runter jagt.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an Rituale, Sexualkundeunterricht in der K\u00fcche, Palatschinken machen, um 3h fr\u00fch spontan alle verw\u00f6hnen indem wir einen Schokokuchen gebacken haben, Hexendisco, das beruhigende Schnarchen der Menschen mit mir im Zimmer \u2013 ich war nicht allein.<\/p>\n<p>Einfach tagelang nicht allein zu sein, 24h war jemand da, jemand bei mir, jemand bei dem ich mich anlehnen konnte. Ein Luxus den ich schon seit Jahren nicht mehr kenne \u2013 ausser zu solch besonderen Anl\u00e4ssen.<\/p>\n<p>Auch wenn ich in vielen Situationen meine Einsamkeit sp\u00fcrte, an mir zweifelte auch hier nicht zu gen\u00fcgen, f\u00fchlte ich mich \u2013 zu Hause. Dies ist meine Family!<\/p>\n<p>Vollen Herzens tieftraurig blitzen die Gesichter und das Lachen der Leute in mir auf, es war sch\u00f6n mit euch, es war wundervoll neue Bekanntschaften\u00a0 gemacht zu haben und zu wissen wie Suppen am Herd des Drachen entstehen, andere Begegnungen zu vertiefen und es war gro\u00dfartig einige ganz ganz besondere Menschen wieder gesehen zu haben.<\/p>\n<p>Es ist unglaublich beruhigend f\u00fcr mich gewesen in der Nacht wenn ich wiedermal unruhig war r\u00fcber zu schauen und zu wissen -he da dr\u00fcben liegen ganz liebe Leute die da bei mir \u00a0sind. Es war toll zu wissen, dass durch Blicke oft nichts mehr ausgesprochen werden musste \u2013 Kare sorgt halt f\u00fcr einen ;-), ich sah, dass es auch einigen anderen manchmal so ging einsam unter Menschen zu sein (Belgien ist halt auch weit weg), ich sp\u00fcrte, das auch andere darunter leiden allein zu sein und damit f\u00fchlte ich mich ein\u00a0 bisschen weniger wie ein Alien. Ich weinte und ich lachte mit meiner Family.<\/p>\n<p>Dennoch hatte ich das Gef\u00fchl nicht erkannt zu werden, das Menschen einfach nicht sehen was ich alles zu geben habe und wieviel in mir steckt. Das liegt nat\u00fcrlich an mir Alien, vielleicht hat mein Schmerz und meine Traurigkeit einen Schild um mich aufgebaut der andere schwer ran l\u00e4sst. Um so mehr ist es wunderbar das hier einige Leute waren die ohne Probleme durch meinen Schild durchgekommen sind.<\/p>\n<p>2009 war ein sehr schlimmes Jahr f\u00fcr mich. Ich zwei meiner engsten und liebsten Freunde verloren, mein Kreis ist zerbrochen, ich wurde aus meinem Job entlassen weil ich Hexe bin und ich war immer noch Single und der M\u00e4nnerwelt offensichtlich nicht w\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Die WitchWars in \u00d6sterreich gingen weiter, f\u00fcr meine Projekte fanden sich keine ehrenamtliche Mitarbeiter und ich sp\u00fcrte meine Einsamkeit so stark wie selten die Jahre davor, \u00a0denn ich hatte niemand mehr dem ich mich mitteilen konnte.<\/p>\n<p>In diesem Sinne- Seid gesegnet und auf ein besseres 2010, sch\u00f6n das ich das Haus in den H\u00f6hen des Hag mit euch besiedelt habe f\u00fcr diese Jahreswende.<\/p>\n<p>Und eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung gibt es ja schon 2010 \u2013 ich habe stricken gelernt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n dich gesehen zu haben, sagte er. Eine profane Aussage gegen\u00fcber meines vollen Herzens und meiner Traurigkeit die mich seit letzter Nacht \u00fcbermannt hatte. 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